Warum funktioniert ein E-Mail-Konto auf dem neuen Smartphone plötzlich nicht mehr, obwohl Adresse und Passwort ganz sicher stimmen? Genau an diesem Punkt habe ich schon öfter länger gesucht, als eigentlich nötig gewesen wäre. Android macht die Einrichtung von Gmail-Konten angenehm einfach, bei Adressen vom eigenen Webhosting, vom Arbeitgeber oder von kleineren Mail-Anbietern sieht die Sache aber anders aus. Dann tauchen Begriffe wie IMAP, SMTP, Port und Verschlüsselung auf – und eine einzige falsche Angabe reicht, damit keine Verbindung zustande kommt.
Wer sein Konto neu einrichten möchte, sollte deshalb nicht einfach verschiedene Einstellungen ausprobieren. Viel schneller geht es, wenn man vorher versteht, welche Daten Android tatsächlich benötigt und welche davon für den Empfang beziehungsweise Versand zuständig sind.
Die E-Mail-Adresse allein reicht nicht immer aus
Bei großen Anbietern erkennt die Mail-App viele Einstellungen automatisch. Gibt man beispielsweise ein bekanntes Konto ein, werden die passenden Server häufig im Hintergrund ausgewählt. Bei einer Adresse wie [email protected] kann Android dagegen nicht unbedingt wissen, auf welchem Server das Postfach liegt.
Ich halte deshalb vor einer manuellen Einrichtung vier Angaben bereit: vollständige E-Mail-Adresse, Passwort, Server für eingehende Nachrichten und Server für ausgehende Nachrichten. Zusätzlich brauche ich meistens die dazugehörigen Ports und die gewünschte Verschlüsselung. Diese Angaben findet man normalerweise im Kundenbereich des Mail- oder Hosting-Anbieters.
- IMAP-Server – ruft Nachrichten ab und synchronisiert Ordner mit dem Server.
- SMTP-Server – übernimmt den Versand neuer Nachrichten.
- Benutzername – häufig die vollständige E-Mail-Adresse und nicht nur der Teil vor dem @.
- Port – bestimmt, über welchen Zugang die Verbindung hergestellt wird.
- SSL/TLS – sorgt für eine verschlüsselte Verbindung zum Mailserver.
Gerade der Benutzername ist eine typische Fehlerquelle. Bei manchen älteren Systemen genügt ein Kontoname, bei vielen heutigen Mailservern muss dagegen die komplette Adresse eingetragen werden. Ich würde diese Angabe deshalb nicht aus Gewohnheit verkürzen.
IMAP oder POP3? Diese Entscheidung würde ich nicht dem Zufall überlassen
Wenn eine App bei der Einrichtung zwischen POP3 und IMAP wählen lässt, nehme ich für ein normales Smartphone praktisch immer IMAP. Dabei bleiben die Nachrichten auf dem Server und der Zustand des Postfachs wird zwischen Geräten synchronisiert. Wird eine Nachricht am Handy gelesen, erscheint sie normalerweise auch am Notebook als gelesen.
POP3 stammt aus einer anderen Art der E-Mail-Nutzung. Nachrichten werden dabei abgerufen und können – abhängig von der Konfiguration – lokal gespeichert oder vom Server entfernt werden. Das kann für spezielle Anwendungen sinnvoll sein, ist aber für jemanden, der dasselbe Postfach auf Smartphone, Tablet und Computer verwendet, häufig unnötig umständlich.
Wer zunächst prüfen möchte, wo Android bereits vorhandene Kontodaten verwaltet, kann sich ergänzend mit den E-Mail-Einstellungen auf Android beschäftigen. Das ist besonders hilfreich, wenn das Konto schon vorhanden ist und nicht komplett neu angelegt werden soll.
Wenn Empfangen funktioniert, aber Senden nicht
Dieser Fall ist erstaunlich aufschlussreich: Neue Nachrichten erscheinen ganz normal im Posteingang, beim Antworten bleibt die Mail jedoch im Postausgang hängen. Dann würde ich nicht mehr am IMAP-Server suchen. Der Empfang funktioniert schließlich bereits. Interessant ist jetzt die SMTP-Konfiguration.
Besonders häufig fehlt dort die Anmeldung am Ausgangsserver. Manche Apps bieten dafür einen Schalter wie „Anmeldung erforderlich“ oder übernehmen Benutzername und Passwort nicht automatisch vom Eingangsserver. Auch ein falscher SMTP-Port kann dazu führen, dass der Versand scheitert.
Umgekehrt gilt dasselbe Prinzip. Lassen sich Nachrichten verschicken, aber nicht abrufen, konzentriere ich mich zuerst auf IMAP, Passwort und Einstellungen des Eingangsservers. Diese Trennung spart viel Herumprobieren.
Warum ein korrektes Passwort trotzdem abgelehnt werden kann
Ein Punkt wird leicht übersehen: Das normale Kontopasswort muss nicht zwangsläufig das Passwort sein, das eine Mail-App verwenden darf. Bei aktivierter Zwei-Faktor-Authentifizierung verlangen manche Anbieter ein separates App-Passwort. Andere erwarten eine Anmeldung über ein eingeblendetes Browserfenster, statt das Kennwort direkt in Android zu speichern.
Auch nach einer Passwortänderung entstehen gern merkwürdige Situationen. Das Notebook funktioniert noch, weil dort eine bestehende Sitzung aktiv ist, während das frisch eingerichtete Smartphone sofort abgewiesen wird. Deshalb ist ein funktionierendes zweites Gerät kein sicherer Beweis dafür, dass das eingegebene Passwort noch aktuell ist.
Ich ändere nicht mehrere Werte gleichzeitig
Bei einer fehlgeschlagenen Einrichtung ist die Versuchung groß, Port, Servernamen und Verschlüsselung gleichzeitig zu verändern. Danach weiß allerdings niemand mehr, welcher Wert das Problem verursacht hat. Sinnvoller ist es, die Angaben des Anbieters exakt zu übernehmen und Abweichungen einzeln zu prüfen.
Wenn das Konto anschließend Nachrichten empfängt und versendet, lasse ich die technischen Einstellungen in Ruhe. Ein sauber eingerichtetes IMAP-Konto arbeitet oft jahrelang unauffällig. Gerade deshalb lohnt es sich, beim ersten Einrichten fünf Minuten länger hinzusehen. Die beste E-Mail-Konfiguration auf Android ist für mich nicht diejenige mit möglichst vielen angepassten Optionen, sondern die, an die ich nach der Einrichtung nicht mehr denken muss.
